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Die Geschichte der Tischkultur

Die Geschichte der Tischkultur ist fast so alt wie die Geschichte der Menschheit selbst. Noch bevor es überhaupt Tische gab, traf man sich zum gemeinsamen Essen. Schon die Steinzeitmenschen versammelten sich um ein Lagerfeuer, zerteilten ihre Beute mit einfachen Steinmessern und brutzelten das Fleisch in der Flamme. Wie viel dies schon mit Kultur zu tun hat, darüber lässt sich jedoch streiten. Über mehrere Jahrtausende hinweg entwickelten sich dann die Essgewohnheiten – mal wurden sie kultivierter, dann wieder grober. Bis ins 17. Jahrhundert dauerte es, bis sich das heute bei uns gängige Besteck durchsetzte. 

Tischkultur in der Antike

PapyrusErste Beweise für eine zivilisierte Tischkultur gibt es aus der Zeit des alten Ägypten. Malereien zeigen festliche Tische, die mit Krügen, Obstschalen und Essplatten gedeckt sind. Festmahle gab es auch bei den Griechen. Gerne tranken sie dazu Wein, hatten sie doch mit Dionysos sogar einen Schutzgott dafür. Gegessen wurde zwar noch hauptsächlich mit den Fingern, aber immerhin hatten die Griechen Becher und Teller aus Ton und Metall. Für manche Speisen wurden sogar Löffel verwendet. 

Eine griechische Innovation in der Tischkultur war außerdem das Speisen im Liegen. Diese Essposition wurde auch im Römischen Reich sehr beliebt. Die Speisesofas, die sogenannten Triclinia,  wurden meist in Hufeisenform angeordnet. In der Mitte wurde ein Tisch aufgestellt, welcher auch erstmals mit einem Tuch bedeckt wurde. Zusätzlich zu den bis dahin gebräuchlichen Bechern, Tellern und Löffeln nutzten die  Römer erstmals Messer zum Tranchieren von Fleischgerichten. Da dennoch größtenteils mit den Fingern gegessen wurde, gab es Fingerschalen und sogar Servietten, um die Hygiene am Tisch nicht zu vernachlässigen.

 

Tischkultur im Mittelalter

Das Mittelalter war in vielerlei Hinsicht ein „dunkles Zeitalter“, so auch bei der Tischkultur. Die Sitten am Tisch waren weniger kultiviert und die Hygiene fragwürdig. Obwohl Messer, Löffel und in begrenztem Maße auch Gabeln bekannt waren, aß man größtenteils immer noch mit den Fingern, wobei in gehobenen Kreisen nur Daumen, Zeige- und Mittelfinger benutzt wurden. Schuld daran war unter anderem, dass die Gabel als Symbol und Werkzeug des Teufels angesehen wurde. Damit man zumindest sicher sein konnte, dass die Hände auch sauber waren, gab es vor dem Mahl das „öffentliche Handwaschen“. Richtig hygienisch verliefen die Malzeiten aber wohl trotzdem nicht. Es war nicht unüblich, dass man sich mit dem Tischnachbarn einen Becher oder sogar Löffel teilte. Auch die Serviette war wieder in Vergessenheit geraten. Stattdessen gab es Tischtücher, die fast bis zum Boden reichten und in etwa die Funktion einer Serviette erfüllten: Man legte sie über den Schoß, um die Kleidung zu schützen, nutzte sie aber auch, um Hände und Mund daran abzuwischen. Auch Teller erfreuten sich keiner großen Beliebtheit. Stattdessen wurden Brotscheiben als Unterlage verwendet oder man aß aus Vertiefungen im Tisch. Essensreste wurden dann häufig unter den Tisch geworfen.

Dennoch ist heute noch etwas von der Tischkultur des Mittelalters übrig: der Begriff „Bankett“ stammt von den langen Bänken, auf denen damals die Gäste großer Festmahle saßen. 

 

Tischkultur in der Neuzeit   

watermelon

Tropfendem und klebrigem Obst haben wir es zu verdanken, dass wir heutzutage Gabeln benutzen.

Die große Errungenschaft der Neuzeit in Sachen Tischkultur war es, die Gabel als festen Bestandteil des Tischgedecks zu etablieren. Regelmäßig genutzt wurde sie wohl zuerst in Italien im 16. Jahrhundert, um sich beim Verzehr von Früchten die Hände nicht schmutzig zu machen. Größere Popularität errang sie möglicherweise auch aufgrund der Mode, breite Halskrausen zu tragen. Damit diese beim Speisen nicht beschmutzt wurden, verwendete man vermehrt die Gabeln nicht mehr nur für das Essen von Obst. Von Italien aus verbreitet sich die Sitte, mit Messer und Gabel zu Essen,  zunächst bis Frankreich und schließlich auch bis nach Deutschland. Allerdings dauerte es bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, bis diese Form des Speisens zur Norm wurde. Lange Zeit war es vor allem in den unteren Schichten üblich, das eigene Besteck am Gürtel mit sich zu tragen. Dies änderte sich erst, als die Industrialisierung die Massenproduktion ermöglichte.

Mittlerweile ist die Tischkultur soweit ausgereift, dass man bei einem mehrgängigen Menü auch durchaus mehrere Gabeln und Messer auf dem Tisch vorfindet. Außerdem wird die Tischdekoration immer kreativer und üppiger, sodass aus Tischkultur fast schon Tischkunst geworden ist.