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Tischgebete mit Kindern

Kurz, gereimt, humorvoll

Eigentlich ist es ganz einfach: Dass es Gott gibt, dass wir ihm danken können, dass er uns leben lässt, all das wird uns beim Essen bewusst. Warum also nicht ein Tischgebet sprechen? Wem kein eigenes einfällt, für den gibt es viele Ideen.

Von Alexander Schweda

„Wo gibt es denn das sonst noch?“ fragt Martina Liebendörfer. „Dass man so natürlich und normal einen Bezug zu Gott herstellt?“ Die Referentin für Mutter-Kind-Gruppen bei den evangelischen Frauen in Württemberg ist ein Fan von Tischgebeten. Daher hat sie kleine Kärtchen mit Bildsymbolen entworfen, auf denen jeweils ein kurzes Gebet steht. Und damit auch die kleinsten Kinder sich ein Verslein aussuchen können, ist jede Karte mit einem Symbol versehen. Dort, wo zum Beispiel ein Besen abgebildet ist, steht der Spruch „Gott lass deinen Segen über dieses Essen fegen.“

Martina Liebendörfer

Martina Liebendörfer

So lockere Gebete stehen da drin? Ja. Denn Martina Liebendörfer findet: Der Spaß darf nicht zu kurz kommen. Natürlich darf eine gewisse Ernsthaftigkeit nicht fehlen. Aber als erstes steht das Gefühl im Vordergrund: „Klasse, dass wir so eine tolle Welt haben, auf der so viel wächst“, sagt Martina Liebendörfer. Neben diesem Gefühl der Freude und der Dankbarkeit vermittelt das Tischgebet aber noch etwas anderes: Es markiert einen gemeinsamen Start. Kinder und Eltern fangen nicht einfach an, irgendwann zu essen, sondern erleben gemeinsam die Mahlzeiten.

Natürlich fällt das Beten vielen Eltern schwer, hat Martina Liebendörfer erfahren. Oft sind die Gebete, die sie noch kennen, zu veraltet und in einer altertümlichen Sprache verfasst. Zum anderen ist vielen das Beten überhaupt fremd geworden. Trotzdem wollen viele Eltern wieder Rituale in der Familie einführen. Und manche bekommen durch die Kinder wieder Zugang zur Religion.

Weil die Unsicherheit so groß ist, freuen sich viele über vorformulierte Gebete. Vor allem über solche, die man sich leicht merken kann. Martina Liebendörfer hat bei den Gebeten, die sie ausgesucht oder selbst formuliert hat, versucht, wichtige Kriterien einzuhalten:

Zum einen sollen sie kurz sein, nicht mehr als vier Zeilen. Am liebsten hat Martina Liebendörfer die Reimform. „Lieber Gott, segne flott“, zum Beispiel. Kurz, gereimt und auch noch humorvoll. Denn Spaß machen soll es eben auch. Es hilft auch, wenn Dinge ganz konkret benannt werden. Der Dank gilt dann eben nicht einfach dem Essen, sondern dem Saft, dem Gemüse und dem Brei.

Ein ganz wichtiger Aspekt im Gegensatz zu Morgen- und Abendgebeten ist der Gemeinschaftscharakter von Tischgebeten. „Es geht um mich und um uns.“ Die Tischgemeinschaft ist immer größer als das Ich. Von dieser Gemeinschaft soll sich aber niemand unter Druck gesetzt fühlen. Sätze wie „Jetzt los, Max, bete du auch mal“, sind für Martina Liebendörfer nicht in Ordnung. Wer nicht beten will, der muss auch nicht. Allerdings müssen Kinder schon akzeptieren, dass die Eltern dann das Gebet sprechen.

Singen, Klatschen, Bewegungen ausführen. Tischgebete können richtig Spaß machen. Sie wecken Dankbarkeit und Freude, und werten das Mittagessen auf. Zu Tisch sitzen ist eben mehr als Nahrungsaufnahme. Martina Liebendörfer hat in vielen Mutter-Kind-Gruppen erlebt, dass in vielen Familien jeder zu einem anderen Zeitpunkt isst. „Da geht so viel verloren“, sagt sie. Denn das gemeinsame Essen sei ein Ort des Austausches. Was ist in der Schule passiert? Wie geht es dir im Sport beim Musikunterricht? Die Essenszeiten geben dem Leben Struktur und Rhythmus. Und die Tischgebete geben der Mahlzeit Struktur und Rhythmus. Und Martina Liebendörfer ist überzeugt, dass Regeln und Rhythmus wichtig sind. Sie führen Kinder wie ein Geländer. Der Mensch ist auf Rhythmus angelegt: in der Musik, in Gedichten, im Wechsel von Tag und Nacht, im Wechsel der Jahreszeiten und der Kirchenjahres. „Zu wissen, was passiert, hilft“, sagt Martina Liebendörfer. Uferloses, nach allen Seiten offenes Leben falle Kindern schwer.

Wichtig sei allerdings schon, sich dem Alter der Kinder anzupassen. Einfache Reime sind nichts mehr für Pubertierende. Mit älteren Kindern kann man dagegen vielstimmige Lieder singen. Martina Liebendörfer selbst hat mit ihren älteren Kindern eine Zeit der Stille vor dem Essen eingeführt. Und wenn die Jugendlichen gar nicht mehr mitmachen wollen, „beten die Eltern und die Kinder halten es aus“.


 

Gebetskärtchen im Kästchen

Ein Gebetskästchen mit 14 Tisch- und Abendgebeten gibt es für vier Euro bei den evangelischen Frauen in Württemberg zu bestellen. Die Kärtchen sind in einer Visitenkartenbox, haben auf der Vorderseite ein Gebet und auf der Rückseite ein farbiges Symbol. Die Karten haben abgerundete Ecken, sind laminiert und abwaschbar.

Bestellung unter Telefon 0711-229363-248; E-Mail heide.bulter-spanu@elk-wue.de (Hinweis: tischgebete.de ist nicht für die Bestellung verantwortlich)

Beispielgebete von Martina Liebendörfer:

Lieber Gott, das ist ein Fest,
dass du alles wachsen lässt.
Ich werde satt, hab‘ Essen hier,
ich freue mich, hab‘ Dank dafür.
Amen

Lieber Gott, leer ist mein Bauch,
großen Hunger hab` ich auch.
Gleich geht es los, mir knurrt der Magen,
doch vorher möcht` ich danke sagen.
Amen