Warum wird gefastet?

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Nichts zum Essen auf dem Teller? So radikal fasten die meisten dann doch nicht!

 

Von Aschermittwoch bis Ostern ist in der christlichen Tradition die Fastenzeit. Christen auf der ganzen Welt verzichten in dieser Zeit freiwillig auf bestimmte Nahrungs- und Genussmittel. Doch warum wird überhaupt gefastet und was soll damit bewirkt werden?

 

Religiöses Fasten

iStock_000003580381SmallDie Fastenzeit vor Ostern ist im eigentlichen Sinne eine Zeit der Buße. Durch den freiwilligen Verzicht soll eine Art Wiedergutmachung für die Sünden abgeleistet werden, um Gott wieder näher zu kommen. Die Zeitspanne von 40 Tagen, die von der Kirche festgelegt wurde, nimmt dabei Bezug auf das Fasten Jesu in der Wüste (Matthäus 4,2).  Von Aschermittwoch bis Ostern sind es allerdings ein bisschen mehr als 40 Tage, was durch verschieden Zählweisen aber wieder ausgeglichen wird. Bei einer Version haben die sechs Sonntage während der Fastenzeit eine Sonderstellung und werden nicht dazugerechnet. Eine andere Variante zählt nur bis zum Palmsonntag, eine Woche vor Ostern, wobei die Karwoche als „Heilige Woche“ eine Sonderstellung einnimmt, da sie eher als Trauerzeit und nicht als Bußzeit gilt. Ein mittlerweile etwas in Vergessenheit geratener Brauch war es, auch 40 Tage vor Weihnachten zu fasten. Der letzte Tag vor dieser Fastenzeit war der 11. November, der Martinstag. Deshalb wird an diesem Tag wohl auch bis heute traditionell die Martinsgans verspeist, da man sich vor der Fastenzeit noch einmal etwas gönnen wollte.

 

Heilfasten

Ein nicht religiös motiviertes Fasten ist das Heilfasten. Es soll der Reinigung und Entschlackung des Körpers dienen. Beim Heilfasten wird nicht nur auf spezielle Lebensmittel verzichtet, sondern komplett auf feste Nahrung. Inwiefern diese radikale Art des Fastens wirklich gesundheitsfördernd ist, wird von vielen Ärzten und Experten diskutiert. Neben der radikalen Version gibt es noch diverse abgeschwächte Fastenkuren wie das Obstfasten oder das Basenfasten. Dabei wird der Körper durch den Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel gereinigt.

 

Diät

Je nachdem wie man Fasten definiert, kann man auch eine Diät dazu zählen. Denn bei bestimmten Diäten wird ebenfalls auf spezielle Lebensmittel verzichtet, meist um eine Gewichtsreduzierung zu erreichen. Statistiken besagen, dass über 50 Prozent der Erwachsenen in Deutschland Übergewicht haben. Deshalb bietet die Fastenzeit für viele auch eine Motivation, um  eine Gewichtsabnahme in Angriff zu nehmen.

 

Hungerstreik

Eine politisch oder gesellschaftlich motivierte Art des Fastens ist der Hungerstreik. Er ist eine Form des passiven Widerstands, mit dem man gegen Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft protestiert. Mit dem bewussten Verzicht auf Nahrung zeigt man seinen Gegnern die eigene Willenskraft und Stärke und auch die Bereitschaft, sich sogar für eine Sache zu opfern. Die wohl berühmteste Persönlichkeit, die diese Art des Widerstandes praktiziert hat, war Mahatma Gandhi.  

 

Stärkung für Körper und Geist

Aus welchen Gründen auch immer man fastet: Solange man es nicht übertreibt, hat es immer eine positive Auswirkung auf Körper und Geist. Der Körper kann sich regenerieren, wenn er eine Weile nicht mit ungesunden Genussmitteln vollgestopft wird, das Körpergewicht kann besser reguliert werden und auch die Psyche profitiert vom selbstauferlegten Verzicht. Denn Fastende beweisen sich selbst, dass sie die Kontrolle über ihren Körper und Geist haben und nicht in Abhängigkeit von etwas leben. Wer erfolgreich fastet, stärkt damit auch sein Selbstbewusstsein und seinen Willen.